Adam, Melchior: Vitae. Frankfurt [Main] und Heidelberg, 1615-1620.
Überblick über die THESAURUS-Editionen

Adam, Melchior: Vitae. Frankfurt <Main> und Heidelberg, 1615-1620. 5 Teile: Vitae Germanorum Philosophorum; Vitae Germanorum Medicorum; Vitae Germanorum Jureconsultorum et Politicorum; Vitae Germanorum Theologorum; Vitae Theologorum exterorum principum. 546 Viten, zus. 2.815 Seiten.

#########
Inhaltsübersicht

Alphabetisches Register


Einführung:

In seinen Vitae schildert Melchior Adam Lebenslauf und Leistung von 546 Gelehrten des Zeitraums 1400-1618 aus dem deutsch-niederländischen Sprachraum. Seine gründliche, quellennahe Darstellung ist bis heute nicht hinreichend erschlossen und ausgewertet. CAMENA publiziert hiermit eine indexierte Bildwiedergabe, flankiert von provisorischen, v. a. der thematischen Suche dienenden Volltexten.

Einen 'Leitfaden' zur kritischen Nutzung von Adams Biographien, wie er unlängst gefordert wurde - siehe Robert Seidel: Melchior Adams Vitae (1615-1620) und die Tradition frühneuzeitlicher Gelehrtenbiographik, in: Oberschlesische Dichter und Gelehrte vom Humanismus bis zum Barock; hg. v. Gerhard Kosellek. Bielefeld 2000 (= Tagungsreihe der Stiftung Haus Oberschlesien; Bd. 8), S. 179-204 - können wir zwar nicht geben, doch finden sich in Seidels Beitrag selbst wertvolle Hinweise zur Einschätzung der Sammlung im ganzen wie auch der einzelnen Viten. Wir referieren:

Die Quellen:

Adam besaß eine reiche Sammlung gedruckter Leichenpredigten. Diese Texte enthalten gewöhnlich einen Lebenslauf des Verstorbenen, in dem freilich eher von dessen Herkunft und sozialem Umfeld, von Charakter, Tugenden und Ehren wie auch von Krankheiten und Sterben des Gewürdigten die Rede ist als von seinen gelehrten Werken. In mancher Vita scheint die Struktur dieses Quellentyps noch durch. Adam konnte darüber hinaus auf die Bestände der reichsten deutschen Bibliothek seiner Zeit, der Heidelberger Bibliotheca Palatina, zurückgreifen, die ihm von deren Bibliothekar, Janus Gruter, bereitwillig zur Verfügung gestellt wurden. Er schöpfte aus Einzelbiographien, Briefwechseln, landes- und zeitgeschichtlichen Werken, litterärhistorischen Kompendien und gelegentlich sogar aus mündlichen Berichten. Dabei bemühte er sich, soweit es ihm die Grenzen seines Materialfundus und seiner Arbeitskapazität erlaubten, um eine umfassende Sammlung und kritische Sichtung der Quellen. Häufig nennt er die benutzte Literatur am Ende des Artikels oder auch in Marginalien zu einzelnen Stellen.

Die Arbeitsweise:

Adams großes Werk ist die Nebenarbeit eines Schulmanns. Der Magister Artium und Poeta Laureatus aus Grottkau in Oberschlesien (geb. um 1575) war von 1601 an Lehrer und ab 1613 Rektor am Heidelberger Paedagogium. Sein Text stellt weithin ein Resümee oder eine Paraphrase der ausgewählten Quellen dar. Adams Latein ist elegant und lebendig; der Biograph schildert Schicksal und Werk seiner 'Helden' mit Empathie und wachem Intellekt. Daß er dabei auf einen festen Vorrat an Formeln, Gesichtspunkten und Urteilen zurückgreift, entspricht den Gepflogenheiten der Zeit und den Erfordernissen seines "herkulischen" (Gruter) Unternehmens. Sein relativ früher Tod (1622) wird der Erschöpfung durch angestrengtes Arbeiten zugeschrieben.

Die Tendenz:

Adam gehört zu den zahlreichen schlesischen Humanisten reformierter Konfession, die zum Studium nach Heidelberg kamen oder sich auch dauernd in der kalvinistischen Kurpfalz niederließen. Sein konfessioneller und politischer Standort tritt in den Viten hinter einer vermittelnden, ausgleichenden Haltung und dem Bewußtsein von der Zusammengehörigkeit der humanistischen Gelehrtenrepublik zurück. Nicht selten verzichtet er angesichts dürftiger oder widersprüchlicher Quellen auf ein eigenes Urteil. Inwieweit der Magister Artium, der auch etwas Theologie studiert hatte, in den Fächern Medizin und Jurisprudenz kompetent war, ist noch nicht untersucht worden.

Das Programm:

Die Taten und Verdienste großer Männer in exemplarischer Absicht vor Augen zu stellen, war ein humanistisches Anliegen, das sich auf antike Vorbilder berufen konnte. (Eine einzige Frau unterbricht in den Vitae Germanorum die Reihe der Männer, Olympia Fulvia Morata - eine Reverenz an den genius loci Heidelbergs, wo die italienische Humanistin zuletzt gelebt hatte.) Adam beschränkt sich auf die Gelehrten, dokumentiert also diejenige soziale Schicht und Lebensform, die am stärksten vom Humanismus durchdrungen war. Sein Werk behandelt im Sinne des humanistischen Patriotismus, der auf den Leistungswettbewerb der Nationen abhebt, vor allem Angehörige der deutschen Nation. Dabei sind, dem Gebrauch der frühen Neuzeit entsprechend, Schweizer und Niederländer eingeschlossen.

Die Leistung:

Sammelbiographien und -bibliographien von Gelehrten gibt es im deutschen Kulturraum schon vor Adam. Zu nennen sind vor allem Johannes Trithemius (1494 und 1495), Konrad Gesner (1545-1549) und Heinrich Pantaleon (1565). Auch Porträtsammlungen wie die von Nicolaus Reusner (1587) und J.-J. Boissard/ Th. de Bry (1597ff.) bezeugen das gesteigerte Interesse an Leistung und Charakter des einzelnen Gelehrten. Adams Werk übertrifft die Vorgänger an Ausführlichkeit und Nähe zum Gegenstand, an übersichtlicher Disposition einer großen Materialfülle, an Bemühen um Ausgewogenheit und ein kritisches Urteil, nicht zuletzt auch an stilistischer Angleichung heterogener Quellen. Sein Werk fand Fortsetzer (z.B. Henning Witte für den Zeitraum 1620-1670/80) und Verwerter (z.B. Paul Freher, 1688), blieb jedoch unüberholt und stellt für die Forschung noch heute eine 'unausgewertete Goldmine' dar (nach Manfred P. Fleischer, 1992, zitiert bei R. Seidel, s.o.).

Editionen:

Die Erstausgaben der Jahre 1615 (Vitae Philosophorum), 1618 (Vitae Theologorum exterorum principum) und 1620 (Vitae Theologorum, Vitae Jureconsultorum et Politicorum, Vitae Medicorum) erschienen im Verlag von Jonas Rosa in Frankfurt a.M.; gedruckt wurden sie teils in Heidelberg (von den Universitätsdruckern Johannes Lancelottus und Johann Georg Geyder), teils in Frankfurt (von Nikolaus Hoffmann). 1653 brachte die Witwe des Verlegers Jonas Rosa einen textgleichen Neudruck der Theologenbiographien heraus; 1663 folgten bei Jonas Rosas Erben die Vitae Philosophorum.

1705 und 1706 verlegte Maximilian vom Sande in Frankfurt a. M. eine zweispaltig gesetzte Folioausgabe unter dem Titel: Dignorum laude virorum, quos Musa vetat mori, Immortalitas: seu Vitæ Theologorum, Jure-consultorum, Politicorum, Medicorum, atque Philosophorum, maximam partem Germanorum, nonnullam quoque exterorum. Sie gibt den Text der Erstausgaben wieder, ist sauber gedruckt und kaum weniger sorgfältig gesetzt als jene. Aufgrund ihres Formats eignet sie sich jedoch nicht für die Präsentation am Bildschirm.

Porträts:

Die im Mannheimer Projekt MATEO publizierte Porträtsammlung
Boissard, Jean-Jacques; Bry, Theodor de: Bibliotheca chalcographica, hoc est Virtute et eruditione clarorum Virorum Imagines. Heidelberg und Frankfurt a.M., 1652-1669. 9 Teile
wurde vollständig ausgewertet. 136 Namen konnten mit den entsprechenden Porträts verlinkt werden.

Zu unserem Index:

Die Ansetzung der Namen und die ergänzenden Informationen (Namensvarianten, Lebensdaten, Fach-, Berufs- und Amtsbezeichnungen) sind folgenden Internetquellen entnommen:
- Allgemeine / Neue Deutsche Biographie,
- Internationaler Biographischer Index - K. G. Saur Verlag,
- Personennamendatei (internes Arbeitsmittel der deutschen Bibliotheken).

Adams Angaben wurden nur in den Fällen übernommen, in denen die genannten Ressourcen versagten. Es war uns nicht möglich, diskrepante Informationen dieser Quellen kritisch zu evaluieren oder ihre sprachliche Vielfalt (z.B. bei den Berufsbezeichnungen) zu normieren. Namensvarianten sind in sparsamer Auswahl angeführt. Wird die gesuchte Person nicht mit einem Blick in das alphabetische Register gefunden, empfiehlt sich die Suche (Find in page) mit trunkierten Namensvarianten.



Inhaltsübersichten:

Adam, Melchior: Vitae Germanorum philosophorum, qui seculo superiori, et quod excurrit, philosophicis ac humanioribus literis clari floruerunt. - Frankfurt <Main>: Impensis Jonae Rosae; [Heidelberg:] Typis Johannis Lacelloti [recte: Lancelotti], Acad. Typogr., 1615. - [15], 526, [8] S. 8° - Sign. Ha T 008 (2. Ex. Sch 070/150; Titelauflage Sch 070/152-1)

Adam, Melchior: Vitae Germanorum medicorum. - [Frankfurt <Main>:] Hered. Jonae Rosae; Heidelberg: Johannes Georgius Geyder, Acad. Typogr., 1620. - [30], 451, [27] S. 8° - Sign. Ha T 008 (2. Ex. Sch 070/150 an 1)

Adam, Melchior: Vitae Germanorum iureconsultorum et politicorum, qui superiori seculo et quod excurrit floruerunt. - [Frankfurt <Main>:] Hered. Jonae Rosae; Heidelberg: Johannes Georgius Geyder, Acad. Typogr., 1620 - [15], 526, [8] S. 8° - Sign. Ha T 008 (2. Ex. Sch 070/150; Titelauflage Sch 070/152-1)/P>

Adam, Melchior: Vitae Germanorum Theologorum qui superiori seculo Ecclesiam Christi ... propagarunt ... - Frankfurt <Main>: Jonas Rosa; Heidelberg: Johannes Georgius Geyder, Acad. Typogr., 1620. - [28], 880, [40] S., [4] Bl.: Ill. 8° - Sign. Ha T 008 (2. Ex. Sch 079/226)

Adam, Melchior: Decades Duæ Continentes Vitas Theologorum Exterorum Principum, Qui Ecclesiam Christi Superiori Seculo Propagarunt Et Propugnarunt. - Frankfurt <Main>: Jonae Rosae vidua, 1653. - [4] Bl., 245 S., [4] Bl.; 8º - Sign.: Sch 080/141 an 1

Der maschinenlesbare Text:

Bd. 1: Vitae Germanorum Philosophorum  ######### #########   Conspectus operis  #########   Index rerum  ######### #########

Bd. 2: Vitae Germanorum Medicorum   ######### #########   Conspectus operis  #########   Index rerum  ######### #########

Bd. 3: Vitae Germanorum Jureconsultorum et Politicorum - Praeliminaria - Index; Errata; De Origine Iuris Romani.

Bd. 4: Vitae Germanorum Theologorum - Praeliminaria - Index; Errata.

Bd. 5: Vitae Theologorum exterorum principum - Praeliminaria - Index


Alphabetisches Register der behandelten Personen:

A, B, C, D, E, F, G, H, I, J, K, L, M, N, O, P, R, S, T, U, V, W, X, Z



Überblick über die THESAURUS-Editionen