Selbstoptimierung: Wie eine App Managern beim Führen hilft

Führungskräften wird im Arbeitsalltag viel abverlangt. Mitarbeiter erfolgreich zu führen, ohne sich selbst der Gefahr von krankhaftem Dauerstress und Burnout auszusetzen, ist eine Herausforderung. Eine App speziell für Managerinnen und Manager soll dem vorbeugen – mit Unterstützung aus der Führungsforschung. Die wiederum profitiert von den gesammelten Daten.


Leada – so heißt die App, die Managern in Zukunft den Alltag erleichtern soll. Die Idee stammt von einem gleichnamigen Startup aus Stuttgart. Gleich morgens möchte Leada auf einer Skala von 0 bis 100 wissen, wie energiegeladen die Führungskraft in den Tag startet und welche Tagesziele anstehen. Erwartet sie herausfordernde Situationen wie Mitarbeitergespräche oder Konflikte, hat die App passende Lösungsvorschläge parat. Das Besondere: Es wird permanent getestet, ob die Tipps, die sowohl aus der Führungsforschung als auch der Coaching-Praxis stammen, ihnen helfen – Die Expertise dafür liefert der Lehrstuhl für Personalmanagement und Führung von Prof. Dr. Torsten Biemann. „Ziel ist es, Managerinnen und Managern dabei zu helfen, kontinuierlich ihre Führungsfähigkeiten zu verbessern, um mit stressigen Situationen souveräner umgehen zu können. Trainingsinhalte aus Workshops sind schnell vergessen und werden oft nicht in den Arbeitsalltag übertragen, das zeigt die Praxis“, erklärt Chris Kaibel, Doktorand am Lehrstuhl von Prof. Biemann, der das Projekt betreut und in ständigem Austausch mit dem Stuttgarter Startup steht.

Von der Zusammenarbeit soll auch die Wissenschaft profitieren. „Die Datenerhebung in der Führungsforschung besteht hauptsächlich aus Fragebögen, die man von Mitarbeitern und Führungskräften ein oder mehrere Male ausfüllen lässt“, erklärt Biemann. „Die App macht es uns erstmals möglich, solche Daten anonym täglich über mehrere Monate zu erfassen. So können wir Entwicklungen präziser beobachten.“ Mit Leada können die Wissenschaftler auch Feldexperimente durchführen: Vor einem komplizierten Mitarbeitergespräch kann die App zum Beispiel verschiedenen Gruppen unterschiedliche Empfehlungen geben. Welche davon funktioniert unter welchen Umständen besser als die andere? „Damit zu experimentieren, ist für die Wissenschaft extrem spannend und für die Praxis von konkretem Nutzen“, sagt Kaibel. „Man hat oft mehrere funktionierende Möglichkeiten im Unternehmensalltag, aber wir wissen nicht, welche davon die beste ist.“

Die Nutzer können in der App bewerten, wie gut oder schlecht ihnen ein Tipp in einer Situation geholfen hat. Um die Lösungsvorschläge kontinuierlich zu verbessern, nutzen Kaibel und Biemann einen besonderen Algorithmus, der die gewonnenen Informationen in Echtzeit verarbeitet. Dieser kommt bereits in den Computerwissenschaften und der Medizin zum Einsatz, ist in der Organisations- und Managementforschung aber völlig neu. Der Vorteil: Ein adaptives Lernen und eine schnellere und effizientere Identifikation des besten Tipps. „Hinter der App steht ein intelligentes System, das mit der Zeit auch lernt, welchen Führungsstil der Manager hat, um so maßgeschneiderte Vorschläge für jede Situation und jeden Managertyp zu liefern. Jeder führt anders und hat deshalb auch andere Bedürfnisse“, sagt Biemann.

Ein nächster Schritt ist es neben den subjektiven Selbsteinschätzungen der Führungskräfte auch objektive Daten miteinzubeziehen: Seit einigen Jahren schon sammeln viele Menschen mithilfe von Smartwatches und Fitnessarmbändern ihre eigenen Körperdaten wie Puls und Herzfrequenz, analysieren ihren Schlafrhythmus und messen ihr tägliches Bewegungspensum – und streben damit einen gesünderen Lebensstil an. Durch den Einbezug solcher Daten ließe sich das Ziel der Manager-App, Mitarbeiter erfolgreich zu führen und dabei die eigene Leistungsfähigkeit im Auge zu behalten, noch besser verwirklichen, meint Kaibel.

Und für die Wissenschaftler würde das noch mehr und insbesondere objektivere Daten bedeuten. Gut so, meint Biemann: „Für uns bieten so umfangreiche Daten spannende Forschungsmöglichkeiten, die weit über herkömmliche Ansätze und Methoden hinausgehen. In der Führungsforschung ist Big Data aber weiterhin eine Randerscheinung. Die meisten wissenschaftlichen Publikationen dazu werden noch im Konjunktiv geschrieben.“

Zu den Bildern: Prof. Dr. Torsten Biemann (l.) und sein Doktorand Chris Kaibel

Autorin: Nadine Diehl  I   Fotos (v. o.): Andreas Henn, Nadine Diehl  I   September 2017

Weitere Informationen:

Leada