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Von der Geschäftsidee zum Startup in 5 Schritten

Viele, die mit dem Gedanken an eine Unternehmensgründung spielen, wissen nicht, wo sie beginnen sollen. Ihre Gedanken kreisen immer wieder um den Namen, die Gestaltung von Briefpapier, Formalia wie die Rechtsformwahl oder die fehlende Finanzierung – noch bevor sie das Produkt entwickelt haben. MCEI-Berater Dennis Steininger zeigt in fünf Schritten, wie sich mit wenig Bürokratie und geringen Kosten schneller und erfolgreicher durchstarten lässt.


        1. Identifiziere ein Problem

        Eine gute Geschäftsidee löst in der Regel ein Problem – auch wenn die potenziellen Kunden womöglich noch gar nicht wissen, dass sie das Problem haben. Oftmals sind es kleine Dinge, die einen schon immer geärgert haben, die die besten Geschäftsideen hervorbringen. Genau in diesem Augenblick des Ärgerns sollten sich Gründungsinteressierte eine Notiz machen und ihre Ideensammlung entwickeln. Als Faustformel lässt sich sagen: Je relevanter das Problem aus Sicht des Kunden, desto wertvoller kann das Unternehmen werden, das dieses Problem löst. Neben Alltagsinspirationen finden sich zig Ideen und Probleme auch in Kundenerfahrungsberichten im Internet, in Testzeitschriften und in Gesprächen mit anderen über ihre Wünsche und Sorgen.


        2. Verstehe und beschreibe das Problem

        Ist ein Problem gefunden, so gilt es, dieses genau zu verstehen und zu beschreiben. Am einfachsten geht das mit den „sechs W“: Was ist das Problem? Wo, wann und warum tritt es auf? Wer hat das Problem und wie äußert es sich? Um diese Fragen zu beantworten, sollten Gründungsinteressierte sogenannte Probleminterviews mit vielen Personen aus möglichen Zielgruppen führen. Dabei erläutern Gründer den Interviewpartnern zunächst den Problemkontext. In weiteren Schritten erfragen sie dann die Sicht der Interviewpartner auf das Problem, bestehende Lösungen sowie Mindestanforderungen an ein gutes Produkt zur Problemlösung.


        3. Entwickle ein Geschäftsmodell

        Anhand der so gewonnenen Problembeschreibungen kann nun auf einer DIN A4-Seite ein Überblick über das gesamte Geschäftsmodell erstellt werden – mit dem Problem, möglichen Lösungen, Alleinstellungsmerkmalen, Kundensegmenten und den Vertriebskanälen. In einem nächsten Schritt wandeln Gründer diese Punkte ab, indem sie zum Beispiel das Problem oder die Lösung ändern, und testen die Alternativen anhand der folgenden Kriterien; möglichst auch durch Interviews mit potenziellen Kunden und Experten: 

        • Kundenbedürfnisse:
          Welches Problem ist aus Sicht der Kunden am relevantesten?
        • Erreichbarkeit:
          Welches Kundensegment ist am leichtesten zugänglich, um die Idee zu testen?
        • Einnahmen- und Kostenstruktur:
          Welches Kundensegment toleriert die höchsten Preise und welches Produkt verursacht die geringsten Kosten?
        • Marktumfang:
          Welches Kundensegment bietet den größten Markt?
        • Technische Durchführbarkeit:
          Ist die Lösung mit den gegebenen Ressourcen machbar? Weist sie eine Mindestmenge an tauglichen Features auf?



        4. Teste das Minimum-Viable-Product


        Ist die attraktivste Variante des Produkts gefunden, versuchen Gründer ein sogenanntes Minimum-Viable-Product (MVP) zu entwickeln, das heißt eine Demo oder ein Prototyp des Produkts, welches mit geringem Aufwand und Kosten hergestellt werden kann. Dieses MVP besitzt nur Features, die bei den früheren Interviews als essentiell befunden wurden, und wird dann mit potenziellen Zielgruppen getestet. Gründer erläutern dabei den Problemkontext, führen ihre Lösungsidee anhand des MVP vor und gewinnen wertvolles Feedback dazu: Was ist gut, was schlecht? Welche Features fehlen und welche sind eventuell überflüssig? Darüber hinaus testen Gründer ob und weshalb die Interviewpartner das MVP zum definierten Preis kaufen würden. So können sehr viele unternehmerische Schritte bei sehr geringen Kosten gemacht und der wahre Markt für eine Idee eruiert werden, ohne hohe Investitionssummen zu riskieren. Ein schnelles Lernen, Scheitern und Umsteuern anhand der Gespräche mit potenziellen Kunden wird möglich.


        5. Institutionalisiere die Gründung und finanziere den Markteintritt

        Ist nun das Produkt oder die Dienstleistung in mehreren Testzyklen gereift, sind Partner für die Produktion gefunden und wurde schon an einige Pilotkunden verkauft, ist der richtige Zeitpunkt gekommen, um sich um Formalia wie die Anmeldung beim Gewerbeamt oder eine erste Finanzierungsrunde für den Markteintritt zu bemühen. Der Nachweis, dass ein marktgängiges Produkt vorhanden ist, ist erbracht und der Firmenwert steigt ab diesem Zeitpunkt enorm an. Somit sind auch Investoren bereit, einen wesentlich höheren Preis zu bezahlen.

        Autor: Dennis Steininger   I   Foto: 123rf.com   I   August 2015

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