In der Fremde zuhause

Schon immer wurden internationale Studierende an der Universität Mannheim herzlich empfangen und vom Akademischen Auslandsamt unterstützt – so erging es auch dem Norweger Per Knudsen, der 1967 für sein BWL-Studium nach Mannheim kam. Trotzdem hat sich seitdem einiges verändert.


Mit dem Schiff nach Kiel, dann mit dem Zug nach Mannheim – alles ohne ein Wort Deutsch zu sprechen. So kam der Norweger Per Knudsen 1967 als einer von insgesamt 312 internationalen Studierenden nach Mannheim. „Auf dem Schiff riet mir ein anderer Norweger, ich solle mir deutsche Vermieter und eine deutsche Freundin suchen, um die Sprache zu lernen. Beides hatte ich knapp zwei Wochen nach meiner Ankunft geschafft“, sagt der 69-Jährige und lacht. Als Knudsen ankam, studierten bereits 180 Norwegerinnen und Norweger in Mannheim – alle BWL und alle blieben für ihr gesamtes Studium. Bis Ende der 80er Jahre bildeten sie die größte Gruppe an internationalen Studierenden. Ein Relikt aus dieser Zeit ist die Norwegerfete im Schneckenhof, die Knudsen damals mit Kommilitonen ins Leben rief und die dort noch heute gefeiert wird. „Wir stellten Tapeziertische auf und verkauften Räucherlachs, Ziegenkäse und Aquavit. Es war ziemlich überschaubar und familiär“, erinnert er sich. „Nicht nur wir Norweger feierten, es kamen auch deutsche Studierende und sogar Professoren.“

1971 – vier Jahre nachdem Knudsen am Mannheimer Hauptbahnhof eintraf – wurde im Schloss die erste Partnerschaftsvereinbarung mit der Universität Sarajevo unterzeichnet (Das Bild links zeigt Studierende und Professoren auf dem Weg in eine Skifreizeit im Rahmen dieses Partnerschaftsabkommens). In den kommenden Jahren folgten weitere Partnerschaften und Austauschprogramme, zum Beispiel mit der University of Waterloo in Kanada, der State University of New York at Stony Brook und dem Centre Universitaire de Toulon. Aus vier Partneruniversitäten sind mittlerweile 450 geworden. Jedes Jahr kommen rund 1.800 Studierende aus knapp 100 Ländern zum Studieren an die Universität Mannheim. Und längst sind es nicht mehr die Norweger, die das größte Kontingent stellen, sondern Studierende aus Nordamerika und Asien, allen voran China.

Die Rundumbetreuung, die die internationalen Austauschund Vollzeitstudierenden heute durch das Akademische Auslandsamt und andere Service-Einrichtungen erfahren, hatte Knudsen noch nicht. Zwar gab es bereits ein monatliches Kulturprogramm für Studierende aus dem Ausland und jeder Neuankömmling bekam einen Betreuer zur Seite gestellt, doch Englisch sprach damals an der Universität fast niemand. In den Vorlesungen hatte Knudsen es deshalb manchmal schwer: „Ich hatte in Statistik einen Professor aus Bayern. Da habe ich so gut wie nichts verstanden.“ Heute ist das anders: Wer in Mannheim studieren will, kann das auch ohne Deutschkenntnisse. Seit 2009 bietet die Universität englischsprachige Masterstudiengänge an, überall auf dem Campus wird Englisch gesprochen. Seit 2013 werden mit dem Projekt „Campus International“ sogar sämtliche Dokumente für Studierende und Mitarbeiter ins Englische übersetzt.

Der Auslandsaufenthalt in Deutschland – für Per Knudsen ging er nie zu Ende. Er blieb und arbeitete sich nach dem BWL-Studium von seiner Stelle als wissenschaftliche Hilfskraft zum stellvertretenden Bibliotheksdirektor der Universität Mannheim hoch. Mit der deutschen Studentin, die er in seinen ersten zwei Wochen in Mannheim kennenlernte, ist er verheiratet. Auch im Ruhestand engagiert er sich als Vorstandsmitglied der Alumni-Vereinigung ABSOLVENTUM noch für die Universität. Studierenden, die ein Auslandsstudium planen, rät er, eine große Portion Neugier mitzubringen: „Internationale Studierende sollten versuchen, die Sprache zu lernen und möglichst viele kulturelle Angebote in Anspruch zu nehmen. Ein Land kennen und verstehen lernen – das ist etwas Wunderbares.“

Zu den Bildern (v. o.): Schon immer kamen junge Menschen aus der ganzen Welt zum Studieren nach Mannheim – wie dieser afrikanische Student bei der Immatrikulationsfeier 1962  I  Foto: Uniarchiv, 1972: Mannheimer Studierende und Professoren auf dem Weg zur Skifreizeit ins ehemalige Jugoslawien, die im Rahmen des Partnerschaftsabkommen zwischen den Universitäten Sarajevo und Mannheim unternommen wurde 
I  Foto: Uniarchiv, Per Knudsen  I  Foto: ABSOLVENTUM/Zeiffer

Autorin: Mona Wenisch   I   März 2017

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