Weltwärts

Hunderte Kilometer weg von Freunden und Familie, in einem Land, dessen Sprache nicht die eigene ist – im Ausland zu studieren oder zu arbeiten ist auch heute noch ein Abenteuer. Mehr als tausend internationale Studierende und Wissenschaftler wagen jedes Jahr diesen Schritt und kommen an die Universität Mannheim. Der Campus wird dadurch stetig internationaler. Das ist eine große Chance, aber auch eine Herausforderung für die Universität.


Die Universität Mannheim hat sich in den vergangenen zehn Jahren massiv verändert. Heute studieren mehr als dreimal so viele internationale Studierende in Mannheim wie noch 2006. Unterhaltungen in englischer Sprache auf dem Campus gehören mittlerweile zum Alltag“, sagt Birgit Heilig, eine der beiden Leiterinnen des Akademischen Auslandsamtes an der Universität Mannheim. Als eine der ersten deutschen Universitäten hatte sich Mannheim bereits vor einigen Jahren das ambitionierte Ziel gesetzt, allen Studierenden eine internationale Perspektive zu ermöglichen. Ein wichtiger Schritt, um dieses Ziel zu erreichen, war 2006 die Umstellung auf internationale Semesterzeiten. „Einen anderen Semesterrhythmus als alle anderen deutschen Universitäten einzuführen, war eine Revolution, die deutschlandweit Beachtung fand. Im Rückblick war es die richtige Entscheidung. Die Anpassung an den international vorherrschenden akademischen Kalender erleichterte die Organisation von Studierendenaustauschen mit Universitäten im Ausland enorm. Für viele internationale Kooperationspartner wurden wir dadurch als Hochschulstandort sichtbar und konnten so zahlreiche neue Partnerschaften aufbauen“, erklärt Heilig.


Auslandskoordinatoren an den Fakultäten

Auch an den Fakultäten hat sich seitdem einiges geändert. Englischsprachige Master- und Double-Degree-Programme, die einen Abschluss in Mannheim sowie einer ausländischen Universität ermöglichen, wurden aufgebaut. Zusätzlich wurden in allen Fakultäten professionelle Auslandskoordinatoren eingestellt, die die rund 2.000 Outgoings und Incomings an der Universität Mannheim betreuen – also Studierende, die ins Ausland gehen, und jene, die zum Studieren hierher kommen. In der BWL-Fakultät berät Verena Übelhör jedes Jahr rund 600 Austauschstudierende zu ihrem Studium in Mannheim. „Sie fragen mich zum Beispiel, welche Kurse sie hier am besten wählen sollen oder welche Anforderungen sie in den einzelnen Seminaren erwarten“, erklärt die Auslandskoordinatorin. „Auch zur Vorbereitung auf Prüfungen gibt es viele Fragen. In Infoveranstaltungen bereiten wir die internationalen Studierenden gezielt auf alle Herausforderungen in ihrem Studium vor.“ Zudem organisiert die Fakultät regelmäßig Bewerbertrainings für internationale Studierende und unterstützt sie individuell bei der Suche nach Praktika und Jobs. „Der Aufwand für die Betreuung ist hoch, aber er lohnt sich. Denn auch die Mannheimer Studierenden profitieren von dem intensiven internationalen Austausch. So wird in der BWL der Großteil der Lehrveranstaltungen auf Englisch gehalten, viele Kommilitonen kommen zudem aus dem Ausland. Auf diese Weise werden unsere Studierenden bereits hier in Mannheim optimal auf das Arbeiten in internationalen Kontexten vorbereitet“, sagt Übelhör.


Willkommenskultur für internationale Wissenschaftler

In den fünf Fakultäten und der Universitätsverwaltung arbeiten mittlerweile rund 50 Personen im Bereich Internationalisierung. Neben dem Ausbau der Austauschprogramme wurde auch die Zusammenarbeit mit internationalen Forscherinnen und Forschern weiter professionalisiert. Mit der Eröffnung des Welcome Center im Jahr 2010 hat die Universität Mannheim als eine der ersten deutschen Hochschulen eine zentrale Stelle geschaffen, die internationale Wissenschaftler in allen nicht-akademischen Fragen unterstützt. „Früher wurden sie mit Problemen wie der Wohnungssuche, der deutschen Steuererklärung oder Behördengängen oft allein gelassen. Das ist heute anders“, erklärt Claudius Werry, Leiter des Welcome Center. „Wir beraten nicht nur die internationalen Wissenschaftler und deren Familien, sondern auch die Lehrstühle und Einrichtungen, die internationale Wissenschaftler rekrutieren und Forschungskooperationen aufbauen wollen.“ Mit Erfolg: Seit seiner Eröffnung konnte das Welcome Center bereits mehr als 1.500 internationale Forscherinnen und Forscher an der Universität Mannheim begrüßen.


Projekt Campus International

„Das deutschlandweit herausragende internationale Profil der Universität Mannheim begünstigte den Ausbau von internationalen Kooperationen“, erklärt Birgit Heilig. „Früher musste man für die vergleichsweise kleine Universität Mannheim global Aufmerksamkeit erreichen. Heute eilt uns unser guter Ruf bereits voraus, einige hochrangige Universitäten suchen daher bereits von sich aus den Kontakt zu uns.“ Aktuell pflegt die Universität Mannheim rund 650 Kooperationen mit 450 Partneruniversitäten weltweit. Lag der Fokus vor einigen Jahren noch darauf, Mannheimer Studierende ins Ausland zu schicken und damit für einen internationalen Arbeitsmarkt auszubilden, ist seit zwei Jahren die Balance zwischen Outgoings und Incomings nahezu erreicht. „Es kommen fast genauso viele internationale Studierende nach Mannheim wie wir an Partneruniversitäten schicken. Ein solches ausgeglichenes Austauschverhältnis ist das große Ziel im Bereich des Studierendenaustauschs und wird nur von wenigen Hochschulen erreicht“, so Heilig. „Die größte Herausforderung der nächsten Jahre wird es nun sein, einerseits die hohe Qualität der Partnerschaftsprogramme zu festigen, um möglichst vielen Hochschulangehörigen einen Auslandsaufenthalt zu ermöglichen, andererseits aber auch die Internationalisierung auf unserem Campus zu fördern. Hierzu zählt etwa der Abbau sprachlicher Barrieren.“

Im Projekt Campus International, das 2013 ins Leben gerufen wurde, wurden bereits 620 offizielle Dokumente der Universität ins Englische übersetzt. „Neben Verträgen und Prüfungsordnungen werden beispielsweise auch Inhalte im Online-Portal der Uni übersetzt und so den internationalen Universitätsmitgliedern zugänglich gemacht“, sagt Teresa Schoenkaes, Diplomübersetzerin und Leiterin des Projekts. „Ziel ist es, internationalen Studierenden und Wissenschaftlern einen Aufenthalt in Mannheim ohne Deutschkenntnisse zu ermöglichen.“ In diesem Jahr soll außerdem ein Wörterbuch online gehen, das es den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Universität erleichtert, englische Texte zu verfassen. Mittlerweile zeigen auch andere Universitäten in Deutschland Interesse an der Übersetzungsarbeit der Universität Mannheim, erste Verhandlungen über Kooperationen mit anderen Hochschulen laufen. Deutschlandweit hat die Universität Mannheim eine Vorreiterrolle in diesem Bereich übernommen. So folgten der Einladung zu einem Netzwerktreffen im vergangenen Jahr mehr als 50 Übersetzerinnen und Übersetzer von Hochschulen und Forschungszentren deutschlandweit. Die Universität Mannheim hat mit der Jahreskonferenz zum ersten Mal eine Plattform geschaffen, bei der sich Übersetzer im Hochschulbereich vernetzen und über Probleme austauschen können.

„Mit dem Ausbau der Beratung und der Betreuungsangebote für internationale Studierende und Wissenschaftler sowie der Steigerung der Austauschzahlen haben wir schon viel erreicht. Es bleibt aber auch noch einiges zu tun“, sagt Birgit Heilig. „Eine weitere Herausforderung ist zum Beispiel die Internationalisierung der Verwaltung.“ Für alle Planungen erhält die Universität in den kommenden Jahren Unterstützung durch den „Qualitätspakt Lehre“. Im Rahmen des Förderantrags unterstützen Bund und Länder die Universität Mannheim von 2017 bis 2020 mit mehreren Millionen Euro auf ihrem Weg zum internationalen Campus.

Zu den Bildern: Edlira Dede und Gert Pere, 23, Albanien, Master in Business Informatics / Niranjan Basnet, 26, Nepal, Master in Business Informatics


Autor: Markus Lojen   I   Fotos: Claus Morgenstern   I   April 2016

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