Studieren, um zu bleiben

Hochqualifizierte Fachkräfte sind in Deutschland nach wie vor gefragt. Internationale Vollzeitstudierende an der Universität Mannheim, deren Zahl stetig wächst, sind daher zunehmend begehrte Arbeitnehmer. Damit ausländische Talente aber auch langfristig in der Region bleiben, gibt ihnen die Universität Mannheim mit speziellen Kursen und Angeboten Starthilfe ins Berufsleben.


Seinen MBA im Ausland zu machen – das war schon lange Dmitry Yanchenkos Plan. Dass es den gebürtigen Russen dafür gerade an die Mannheim Business School (MBS) verschlug, dem organisatorisches Dach für Management-Weiterbildung an der Uni Mannheim, war alles andere als Zufall. Bereits während seiner neunjährigen Tätigkeit als Berater im IT-Sektor hatte Yanchenko mit Menschen aus vielen unterschiedlichen Kulturen zusammengearbeitet. „Dabei habe ich festgestellt, dass meine Art zu denken der deutschen sehr ähnlich ist. Ich wusste, dass ich mich hier wohlfühlen würde“, erklärt er. „Besonders wichtig waren für mich aber auch die guten Unternehmensbeziehungen der MBS.“ Um internationale Arbeitserfahrung zu sammeln, wollte Yanchenko nach seinem Studium nämlich erst einmal in Deutschland bleiben. Tatsächlich gelungen ist ihm das durch sein MBA-Abschlussprojekt, bei dem er mit Senior Managern der SAP zusammenarbeitete. „Die Gelegenheit habe ich genutzt, um mir ein Netzwerk aufzubauen. Das hat mir den Einstieg ins Unternehmen deutlich erleichtert“, erklärt Yanchenko. 

Wie er können sich viele internationale Studierende vorstellen, ihre Karriere in Deutschland zu starten. „Etwa 80 Prozent unserer Absolventen möchten nach ihrem Abschluss gern hier bleiben. Vor allem unsere stabile Wirtschaft ist ein starker Magnet“, sagt Michael Dorsch, Programm-Manager des Vollzeit-MBA an der MBS. Dass viele von ihnen schließlich doch wieder in ihr Heimatland zurückkehren, liege oft an mangelnden Sprachkenntnissen.

Das stellt auch Melissa Kammerer vom Akademischen Auslandsamt der Uni Mannheim immer wieder fest. Da internationale Studierende ihr Studium in Mannheim oft komplett auf Englisch absolvieren können, habe Deutschlernen bei vielen nicht oberste Priorität. „Doch obwohl in vielen internationalen Unternehmen Englisch die Unternehmenssprache ist, ist Deutsch für die Kommunikation mit Kunden und den sozialen Kontakt nach wie vor wichtig“, sagt Kammerer. Seit dem Herbstsemester 2015 unterstützt sie ausländische Vollzeitstudierende deshalb im Rahmen des zunächst auf zwei Jahre angelegten Projekts „Step by Step“ gezielt beim Berufseinstieg in Deutschland. Gemeinsam mit Kooperationspartnern wie der Wirtschaftsförderung Mannheim oder der Arbeitsagentur bietet das Akademische Auslandsamt intensive Bewerbungstrainings und Vorträge, aber auch interkulturelle Trainings und berufsvorbereitende Deutschkurse an. Auch an anderen Einrichtungen der Universität wie dem Career Service hat man sich auf die steigende Anzahl von ausländischen Studierenden eingestellt: Durch Angebote wie den englischsprachigen CV-Check oder CV-Writing-Kurs, so erklärt Cornelia Mattern, Leiterin des Career Service, könnten sich Studierende zusätzlich Unterstützung bei der Bewerbung holen.

Zukünftig möchte Melissa Kammerer vor allem den Mittelstand auf ausländische Studierende aufmerksam machen. Diese seien nämlich keineswegs nur an Jobs in Großunternehmen interessiert. Wegen der Sprachbarriere gebe es jedoch auf beiden Seiten noch Berührungsängste. Dabei bringen die internationalen Bewerber viel Potenzial mit: „Wenn sich mittelständische Betriebe erst einmal für einen internationalen Mitarbeiter entschieden haben, sind sie begeistert. Unsere Absolventen sind sehr gut ausgebildet, sprechen mehrere Sprachen und bringen Kontakte in ausländische Märkte mit“, so Kammerer.

Seit einem Jahr ist Dmitry Yanchenko nun Berater für „Business Transformation Services“ bei SAP. Mit seiner Entscheidung in Deutschland zu bleiben, ist er glücklich. In Hinblick auf technologische Trends sei Europa Russland bis zu drei Jahre voraus. Dadurch habe er bereits jetzt viel gelernt. Die Sprache bereite allerdings auch ihm noch Schwierigkeiten. „Die Deutschkurse der MBS waren ein guter Anfang, aber ich muss noch viel üben.“ Er ist sich sicher, das wird sich auszahlen: „Je mehr Sprachen man beherrscht, desto wertvoller ist man auf dem Arbeitsmarkt.“  

Zum Bild: Alena Shelkova, 22, Russland, Mannheim Master in Management


Autorin: Linda Schädler   I   Foto: Claus Morgenstern   I   April 2016

Weitere Informationen:

Career Service der Uni Mannheim

Mannheim Business School