Sprache ist kein Hindernis

In den vergangenen drei Jahren wurden über 2.500 Lehrveranstaltungen an der Universität Mannheim auf Englisch gehalten. Auch ganze Studiengänge können von Anfang bis Ende in englischer Sprache absolviert werden – und das auch ohne Deutschkenntnisse.


Wenn die Politikstudentin Lina Vollmer in die Vorlesung geht, sitzt sie zwischen Studierenden aus den USA, Kolumbien, Italien und Polen. Die wenigsten von ihnen sprechen Deutsch. Um den „Master of Political Science“ zu studieren, müssen sie das auch nicht. Es ist einer von bisher sieben Studiengängen, die an der Universität Mannheim komplett in englischer Sprache angeboten werden. Lina Vollmer ist zwar Deutsche, trotzdem hat sie sich für diesen Master entschieden. „Für mich ist es eine Erleichterung. Fast die ganze Literatur in der Politikwissenschaft ist auf Englisch. So muss ich nicht mehr zwischen den Sprachen switchen und mein Englisch bleibt in Form“, erklärt die 25- Jährige. Auch die Mischung aus Studierenden verschiedenster Herkunftsländer sei ein Plus. „Man bekommt eine ganz andere Perspektive auf gleich mehrere Kulturen. Außerdem sind auch viele Dozenten aus dem englischsprachigen Raum. Sie haben eine andere Vorstellung, wie ein Seminar aussehen soll und andere Anforderungen. Das macht das Studium abwechslungsreich und spannend“, findet Lina Vollmer.

Zumindest ein Teil des Plans scheint damit aufgegangen zu sein – ein Plan, an dem an vielen Stellen der Uni seit Jahren gearbeitet wird. Im Verwaltungsgebäude gegenüber vom Schloss sitzt Dr. Christian Queva, Leiter des Dezernats für Studienangelegenheiten. Er unterstützt gemeinsam mit seinem Team die Fakultäten auf dem Weg zur internationalen Lehre. „Deutsch ist eine sehr schwierige und komplexe Sprache. Wenn Studierende aus dem Ausland nur für wenige Semester zu uns kommen, zum Beispiel in den Masterstudiengängen, dann überlegen sie sich vorher, ob sie es auf sich nehmen wollen, diese zu erlernen. Das wirkt auf viele internationale Studierende abschreckend“, sagt Queva. „Die Ausweitung unseres englischsprachigen Angebots ist sicherlich auch ein Grund dafür, dass die Universität Mannheim für ausländische Studierende zunehmend attraktiver wird.“

Die Mannheimer BWL ist die Fakultät mit dem größten Angebot. Insgesamt die Hälfte aller Seminare und Vorlesungen ist hier auf Englisch. Dort hat die Internationalisierung der Lehre an der Universität Mannheim auch ihren Ursprung: 2003 führte die BWL mit der Umstellung auf Bachelor und Master ein verpflichtendes Auslandssemester für alle Studierenden ein. „Dadurch hatte die Fakultät automatisch jedes Semester 300 Ingoings und Outgoings“, erklärt Queva. „Einen Austausch dieser Größenordnung hätte man nicht hinbekommen, wenn man sich nur auf die Bewerber mit fundierten Deutschkenntnissen beschränkt hätte.“

Nach und nach zogen auch die anderen Fakultäten nach. Seitdem werden an der gesamten Universität nicht nur mehr Veranstaltungen auf Englisch gelehrt, es gibt auch ganze Studiengänge, die ohne Deutschkenntnisse absolviert werden können. Über 900 internationale Studierende absolvieren einen kompletten Master an der Universität Mannheim. Allein im Vergleich zum Vorjahr ist die Zahl der sogenannten degree seeking students um sieben Prozent gestiegen. Die meisten von ihnen kommen aus Asien – wie der Pakistani Waqas Ali. Er studiert im dritten Semester des Mannheim Master in Management (MMM). Die Entscheidung traf er wohlüberlegt. „Für mich war der finanzielle Aspekt sehr wichtig. In Deutschland muss man keine Studiengebühren zahlen. Ausschlaggebend waren aber die internationalen Rankings, in denen Mannheim ebenfalls sehr gut abschneidet“, erklärt der 24-Jährige. „Auf der ganzen Welt, und das kann ich mit Überzeugung sagen, habe ich kein Programm gefunden, dass in Sachen Kosten, Qualität und Visabestimmungen mit Mannheim mithalten kann.“

Nach dem Studium möchte Waqas Ali gerne in Deutschland arbeiten. Für dieses Semester hat er sich deshalb vorgenommen, die Sprache zu lernen, auch wenn es auf dem Campus, in der Stadt und bei seinem Studentenjob bei der SAP ohne Deutsch geht. Viele Studierende kommen aber auch nach Mannheim, um danach ins Ausland zu gehen – die deutsche Politikstudentin Lina Vollmer zum Beispiel. Dieses Jahr macht sie ihren Abschluss. Danach will sie ihre Karriere auf dem internationalen Arbeitsmarkt starten. Gut dafür ausgebildet fühlt sie sich bereits. 


Autorin: Nadine Diehl   I   Foto: 123rf.com   I   April 2016

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Internationale Studiengänge an der Uni Mannheim