Neuland

Sie mussten aus ihrer Heimat fliehen und hoffen nun in Deutschland auf eine sichere Zukunft. Mit verschiedenen Projekten unterstützen Studierende und Universität die Integration von Geflüchteten in der Region.


Der Platz ist matschig, das bisschen Grün sieht grau aus. Der Winter in Deutschland lädt wenig zum Fußballspielen im Freien ein. Auf dem Gelände des Benjamin Franklin Village versammeln sich dennoch regelmäßig Flüchtlingskinder zwischen 4 und 14 Jahren, um am Fußballtraining des Instituts für Sport der Universität Mannheim teilzunehmen. Zuerst sind es nur ein paar Kinder, die mit dem Aufwärmen beginnen. Im Laufe des Trainings kommen aber immer mehr. Am Ende stehen fast 30 Kinder auf dem Platz und dann wird auch endlich aufs Tor geschossen. Der Jubel, wenn einem Kind ein Treffer gelingt, ist groß.

„Wir wollen den Kindern eine sinnvolle Freizeitbeschäftigung anbieten. Viele haben eine schwere Zeit hinter sich und Sport kann auf vielfältige Weise wirken: als Zeitvertreib, zum Aus-powern, zum In-Kontakt-Kommen. Ich sehe es auch als eine gesellschaftliche Verantwortung, die wir haben“, sagt Viola Münch, die das Kindertraining leitet. Neben dem Kindertraining organisiert das Institut für Sport auch Freundschaftsspiele zwischen Mannheimer Studenten- und Vereinsmannschaften und Flüchtlingsmannschaften.

Andere Formen der Flüchtlingshilfe realisieren auch der Allgemeine Studierendenausschuss (AStA) und verschiedene Initiativen an der Universität. Während UniSpirit, Visum und die Unicef-Hochschulgruppe vor allem in der Vorweihnachtszeit Benefizveranstaltungen zugunsten von Flüchtlingsprojekten organisierten, vermittelt der AStA interessierte Studierende in integrative Sprachkurse, betreut ein Buddy-Programm und sammelt und verteilt Sachspenden. Viele Studierende engagieren sich auch im Verein „Nice to meet you“, der in Mannheim kulturelle Events veranstaltet und so aktiv die Integration von Geflüchteten in die Gesellschaft vorantreibt.

Für viele Flüchtlinge ist ein Studium in Deutschland ein großer Traum. Aktuell studieren elf Syrerinnen und Syrer an der Universität, regelmäßig fragen geflüchtete junge Männer und Frauen in der Studienberatung nach; rund 350 Beratungsgespräche wurden bisher durchgeführt. Im Januar nahmen außerdem 15 Geflüchtete an der studienvorbereitenden Winter School der BWL-Fakultät teil. Beim Mittagessen in der Mensa tauschen sie sich über ihre Erlebnisse und ihre Pläne aus. „Ich habe gehört, dass Mannheim die beste Universität für BWL ist“, erklärt Wael Alokla den Grund für seine Teilnahme an der Winter School. Vor sechs Monaten ist der junge Syrer in Ludwigshafen angekommen und hat in Rheinland-Pfalz Asyl beantragt. Als Interviewsprache ist ihm Englisch lieber, obwohl sein Deutsch nicht schlecht ist und ihm manchmal für ein Wort eher die deutsche Vokabel einfällt als die englische. „In Syrien habe ich meinen Bachelor abgeschlossen. Schon vor dem Bürgerkrieg hatte ich geplant, meinen Master in Deutschland zu machen. Deshalb habe ich auch vor sechs Jahren angefangen, Deutsch zu lernen“, berichtet er. Gemeinsam mit den anderen hat er Einführungsveranstaltungen besucht, Einblicke in das deutsche Universitätssystem bekommen und erfahren, wie die Bewerbung um einen Studienplatz an der Universität Mannheim funktioniert. Die Woche hat Wael Alokla darin bestärkt, sich für einen Platz im Mannheim Master in Management zu bewerben.

In diesem Frühjahr bietet die Universität zudem einen Deutschkurs für studieninteressierte Flüchtlinge an, der vom Deutschen Akademischen Austauschdienst (DAAD) gefördert wird. Für ein weiteres Flüchtlingsprogramm hat sich die Universität beworben. Außerdem ist die Erstellung eines Online-Kalenders geplant, in dem alle Veranstaltungen gebündelt dargestellt werden sollen – sowohl für Flüchtlinge als auch für potenzielle Helfer. Dass es zukünftig noch weitere Angebote geben wird, ist abzusehen: „Immer mehr Mitarbeiter und Fakultäten engagieren sich und es werden sicherlich noch weitere Angebote für Flüchtlinge kommen.“, sagt Melissa Kammerer, die alle Flüchtlingsaktivitäten an der Universität koordiniert.

Zu den Bildern: Immer am Ball - Flüchtlingskinder beim Fußballtraining im Benjamin Franklin Village

Autorin: Katja Hoffmann   I   Fotos:  Patrick Dillenberger  I   April 2016

Weitere Informationen:

Angebote der Uni Mannheim für Geflüchtete