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„In Deutschland zu studieren war ein Kindheitstraum“

An der Universität Mannheim studieren zurzeit fast 2.000 internationale Studierende aus 96 Ländern. Das FORUM Magazin hat mit zwei von ihnen über ihre Erfahrungen gesprochen. Der 27- jährige Javier Castro Gonzalez kam vor einem Jahr aus Mexiko nach Mannheim, um mit dem Mannheim Master in Management zu beginnen. Auch Ralla Al Hamwi ist nun ein Jahr in Deutschland. Die 28-jährige Syrerin studiert den Master in Business Informatics.

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FORUM: Warum habt ihr euch entschieden, in Mannheim zu studieren?

Ralla: Für mich war es ein Kindheitstraum, in Deutschland zu studieren. Ich hatte bereits in Syrien mit einem Masterstudium in Software Engineering und Business Information Systems angefangen. Ich hatte alle Kurse abgeschlossen, nur meine Thesis fehlte noch. Doch aufgrund der Situation in Syrien konnte ich mein Studium nicht abschließen. Es war klar, dass ich gehen musste. Ich wusste, Deutschland und die Universität Mannheim waren meine Chance, nicht nur mein Studium abzuschließen, sondern auch ein neues Leben zu beginnen. Die Vorbereitungen für die Bewerbung waren allerdings schwierig. Ich musste beispielsweise für den Englischsprachnachweis in ein anderes Land reisen. Es dauerte letzten Endes ein Jahr, das nötige Geld zu sparen, all die Formulare auszufüllen und alles vorzubereiten.

Javier: Bevor ich mich für Mannheim entschieden habe, hatte ich zuvor die Entscheidung getroffen, in Europa zu studieren. Der nächste Schritt war es, sich für ein Land zu entscheiden. Ich wollte in ein Land, das weder Englisch noch Spanisch als Muttersprache hat, da ich eine weitere Sprache lernen wollte. Außerdem wollte ich die Chance haben, berufliche Erfahrungen zu sammeln. Es musste also ein Land mit einer stabilen Wirtschaftslage sein. So kam ich auf Deutschland. Da die Universität Mannheim in vielen Rankings zu den besten Universitäten für Management zählt, entschied ich mich für Mannheim.

FORUM: Was waren eure größten Ängste vor Beginn des Studiums in Deutschland?

Javier: Um ehrlich zu sein, das Studium selbst. Ich habe meinen Bachelor bereits 2010 in Mexiko abgeschlossen. Danach arbeitete ich. Wenn man arbeitet, ist man für gewöhnlich nach der Arbeitszeit mit allem fertig. Man muss nicht für Klausuren lernen. Ich musste mich erst wieder daran gewöhnen, Vorlesungen zu besuchen und zu lernen.

Ralla: Eigentlich war zunächst alles beängstigend. In Deutschland erwartete mich eine neue Sprache, eine neue Kultur und Gesellschaft. Ich hatte Angst, mich nicht gleich integrieren zu können. Doch kaum war ich hier, waren die Ängste verflogen. Alle Menschen, denen ich begegnete, waren so nett und hilfsbereit. Außerdem ist in Deutschland alles sehr organisiert. Ich musste mir keine Sorgen machen, denn alles war klar geregelt und hatte einen festen Ablauf.

FORUM: Was waren eure ersten Erfahrungen im Studium an der Uni Mannheim?

Javier: Da ich etwas älter bin als der durchschnittliche Student hier, hatte ich Angst, nicht so leicht neue Kontakte knüpfen zu können. Doch das Gegenteil war der Fall. Ich traf sehr nette Leute aus Asien und auch aus Deutschland, die es mir leicht machten, mich an mein neues Leben zu gewöhnen.

Ralla: Zunächst einmal ist das ganze Studentenleben anders als in Syrien. Da die Kurse aber in Englisch sind, konnte ich direkt in das Studium einsteigen. Außerdem zieht die große Auswahl an englischsprachigen Studiengängen viele internationale Studierende an. Für mich ist es einfach, mit ihnen zu kommunizieren und Anschluss zu finden. Ich habe Studierende unterschiedlicher Nationalitäten getroffen, neue Einblicke und Perspektiven gewonnen. Außerdem gab es sehr viele Events, die die Möglichkeit gaben, erste Kontakte zu knüpfen. Somit war es auch einfacher, die ersten Schritte in die deutsche Gesellschaft zu gehen.

FORUM: Was waren eure größten Schwierigkeiten zu Beginn des Studiums?

Javier: Das Studium hier unterscheidet sich von meinem Bachelorstudium in Mexiko. Hier in Deutschland stehen das Selbststudium und die Theorie mehr im Fokus, während in Mexiko häufiger projektbezogen gearbeitet wird. Ich musste also meinen Lernansatz ein wenig ändern. Außerhalb der Uni ist die Sprachbarriere auch manchmal ein Problem. Einige zögern zunächst, Englisch zu sprechen und mein Deutsch ist noch nicht allzu gut. Ich habe die ersten Deutschkurse absolviert. Als Nächstes steht ein Intensivkurs an.

Ralla: Die größte Schwierigkeit ist für mich auch definitiv die Sprache. Bis heute ist mein Deutsch noch nicht sehr sicher. Ich finde kaum Zeit, um neben meinem Studium Deutschkurse zu belegen. Im letzten Semester habe ich neun Kurse belegt und im nächsten Semester werde ich bereits mit meiner Masterthesis beginnen. Wahrscheinlich werde ich erst nach dem Studium die Sprachkurse abschließen können. Im Alltag, außerhalb der Universität, habe ich die gleichen Erfahrungen wie Javier gemacht. In der Uni spricht jeder Englisch, doch im Alltag ist es mit geringeren Deutschkenntnissen etwas schwieriger, beispielsweise mit älteren Leuten zu kommunizieren oder Bankangelegenheiten zu regeln.

FORUM: Was gefällt euch an der Uni Mannheim besonders gut?

Javier: Ich mag das internationale Flair an der Universität Mannheim. Hier sind so viele internationale Studierende. Es ist eine Bereicherung, von anderen Kulturen zu lernen. Hier in Mannheim habe ich also nicht nur die Möglichkeit, die deutsche Kultur kennenzulernen, sondern auch die Kulturen der anderen internationalen Studierenden. Wir zeigen uns gegenseitig Fotos, teilen außerdem die Erfahrung, für unser Studium nach Deutschland gekommen zu sein. So entstehen schnell enge Freundschaften.

Ralla: Auch ich mag die Internationalität an der Universität Mannheim. Es war einfach für mich, meinen Platz zu finden. Auch Mannheim selbst gefällt mir sehr gut. Es gibt so viel zu entdecken und zu erleben, all die kleinen Cafés und Restaurants. Ich fühle mich sehr verbunden mit Mannheim.

Autorin: Sina Buschhold I Fotos: Claus Morgenstern  I Mai 2016