Universität Mannheim / Forum / Netzwerk / Ausgabe 2/2016 / Founder-Talk mit Claude Ritter

Seriengründer Claude Ritter zu Gast in Mannheim

Unternehmensgründer und Investor Claude Ritter, Co-Founder von BOOK A TIGER und Lieferheld, war in der vergangenen Woche in Mannheim zu Gast. In der Reihe „Founder Talks“ des Mannheim Center for Entrepreneurship and Innovation berichtete er über seine Erfolge und die Herausforderungen des Gründens.


Claude Ritter vermittelte zuerst Dates, dann Fastfood und nun Reinigungskräfte – und das im großen Stil. Der 36-Jährige ist Seriengründer und hat unter anderem das Startup Lieferheld (inzwischen Delivery Hero) groß gemacht und jüngst einen Online-Vermittlungsdient für Reinigungskräfte namens BOOK A TIGER ins Leben gerufen. Der erfolgreiche Unternehmer stammt ursprünglich aus der Schweiz und lebte fünf Jahre in Shanghai, wo er ebenfalls zwei Unternehmen gründete und für einige Zeit eine Online-Dating-Plattform betrieb. Seit einigen Jahren lebt er in Berlin. Inzwischen ist Ritter nicht nur als Entrepreneur, sondern auch als Investor tätig. Auf Einladung des Mannheim Center for Entrepreneurship and Innovation (MCEI) ist er am vergangenen Dienstag nach Mannheim gereist, um bei einem der regelmäßig stattfindenden „Founder Talks“ sowohl über seine Erfolge als auch über die Herausforderungen des Gründens zu berichten, denn längst nicht alle seiner Projekte verliefen von Anfang an mustergültig.

Sein Vortrag im Mannheimer Kreativwirtschaftszentrum C-Hub zeigte, dass Ritter neben dem Gründen noch ein weiteres Talent hat: Er ist auch ein begabter Redner. Das überwiegend studentische Publikum amüsierte sich daher sichtlich über seine mitunter verrückt klingenden Geschichten. Beispielsweise erzählte Ritter, dass sein Startup Lieferheld mit dem größten Konkurrenten Lieferando zeitweise stark auf Kriegsfuß stand und 23 laufende Gerichtsverfahren gleichzeitig am Hals hatte. Außerdem ermittelte die Staatsanwaltschaft gegen ihn und seine Mitgründer und ihre Büros wurden zweifach durchsucht. Letztendlich ging für ihn und sein Unternehmen doch alles gut aus, da sich die Anschuldigungen des Wettbewerbers als falsch erwiesen.

Natürlich wandte sich Ritter auch an die potentiellen Nachwuchsgründer unter den Anwesenden und gab ihnen einige gute Ratschläge mit auf den Weg. Zum Beispiel betonte er, wie wichtig es sei, ein gutes Team zu finden. Um die Motivation seiner künftigen Team-Mitglieder auf die Probe zu stellen, führte er beispielsweise folgenden Test durch: Er bot ihnen 2000 Euro an, wenn sie das Unternehmen sofort wieder verließen. „Wer lieber das Geld nimmt und gar nicht erst versuchen will, gemeinsam etwas Größeres zu erreichen, den brauche ich auch nicht in meinem Team“, kommentierte er diese Aktion. Eine andere Erkenntnis, die er weitergab: Von Anfang an sollten eine Unternehmenskultur und bestimmte Leitwerte etabliert werden. „Bei Lieferheld machten wir den Fehler zu denken, dass es sich dabei um ein nettes „Add-on“ handelt, doch inzwischen habe ich gemerkt, dass es wichtig ist, bestimmte Richtlinien und Werte von Anfang an festzulegen“, betonte der Unternehmer. Wer mit Claude Ritter privat ein paar Worte wechseln wollte, hatte dazu ebenfalls die Möglichkeit: Das im Anschluss stattfindende Networking-Event bot Gelegenheit, ihn und andere Gründungsbegeisterte näher kennenzulernen.

Die „Founder Talks“ des MCEI finden regelmäßig statt. Der nächste Founder Talk wird voraussichtlich Anfang Mai stattfinden, der genaue Termin wird auf www.mcei.de rechtzeitig bekannt gegeben. Außerdem bietet die regelmäßige Veranstaltungsreihe „Startup Lounge“ Gelegenheit, mit Gründern und Gründungsinteressierten ins Gespräch zu kommen. Die Startup Lounge findet jeden ersten und dritten Dienstag im Monat statt, das nächste Mal am 21. März. Beginn ist jeweils 19:30 Uhr im Café L3.

Text: Kathrin Holstein   I   Foto: MCEI   I   März 2017