Universität Mannheim / Forum / Campusleben / Ausgabe 2/2017 / Romanisches Seminar wirkt an preisgekröntem Film mit

Romanisches Seminar wirkt bei preisgekröntem Film mit

Der Kurzspielfilm „Elja 376 A.D.“, ein antikes Flüchtlingsdrama, wurde bei der Berlinale mit dem UFA-Förderpreises ausgezeichnet. Das Romanische Seminar der Universität Mannheim war an der Entstehung des Films beteiligt: Es übersetzte für den Film viele der Dialoge vom Deutschen ins Lateinische.


„Brisant“, „originell, „aufklärerisch, „erhellend“ – lauten die Worte der Jury bei der Vergabe des UFA-Förderpreises bei der Berlinale 2016. Das Lob gilt dem Kurzspielfilm „Elja 376 A.D.“, einem antiken Flüchtlingsdrama, das die Flucht der Goten vor den marodierenden Hunnen schildert. Produziert wurde der Film von einem studentischen Team der Filmakademie Ludwigsburg. Gerade einmal im dritten Jahr ihres Bachelorstudiums befanden sich die Studierenden damals – doch haben sie mit dem geringen Budget, das ihnen zur Verfügung stand, viel geleistet. „Die pure Leidenschaft hat alle vorangetrieben“, meint Regisseur Willi Kubica. Das Engagement hat sich ausgezahlt: Viele der Szenen wirken so professionell wie aus einem Hollywood-Film.

Mit dem Filmteam freut sich auch das Romanische Seminar der Universität Mannheim über den Preis. Denn Professor Dr. Johannes Müller-Lancé und Dr. Amina Kropp haben selbst am Film mitgewirkt und die Dialoge der Römer ins Lateinische übersetzt. Damit die Schauspieler die Aussprache der „toten“ Sprache lernen konnten, erstellten die Mannheimer Romanisten zudem ein Tutorial mit Hörbeispielen. Weder sie noch die Schauspieler erhielten für ihre Arbeit eine Gage, „doch waren wir so sehr vom gesamten Projekt und der Thematik begeistert, dass wir gern bereit waren, der Filmcrew zu helfen. Das hat einfach perfekt zu dem gepasst, woran wir hier am Lehrstuhl forschen“, erklärt Dr. Amina Kropp. Aus diesem Grund zeigte das Romanische Seminar den Film im März bei einer öffentlichen Filmvorführung an der Universität Mannheim. Im Anschluss hatten die Zuschauer die Gelegenheit, mit dem Regisseur Willi Kubica und einer der beiden Producerinnen, Julia Deumling, über ihre Eindrücke zu diskutieren. 

Der Film handelt nicht nur von Flucht und Migration, sondern zu großen Teilen auch von Sprache und Verständigung. Er zeigt, dass kulturelle Missverständnisse oftmals durch Sprachbarrieren entstehen. „Im Film kommt es zur Eskalation der Ereignisse, weil die Kommunikation zwischen Römern und Goten vollkommen fehlschlägt“, sagt Dr. Amina Kropp. Bewusst habe sich das Filmteam dazu entschieden, die lateinischen Passagen nicht zu untertiteln, um bei den Zuschauern ein Gefühl des Ausgeliefertseins zu erzeugen: „Sowohl die Goten im Film als auch die Zuschauer vor dem Bildschirm sind völlig auf die Figur des Übersetzers angewiesen“, erläutert Dr. Amina Kropp. Die Romanistin glaubt, dass der Film durch die historische Distanz auch ein besseres Verständnis für die heutige Flüchtlingssituation schaffen kann.

Darüber hinaus zeigt der Film noch weitere Parallelen zur heutigen Zeit. So führen im Film auch kulturelle Unterschiede bei den Geschlechterrollen zu Konflikten: Mit Schock und Unverständnis reagiert beispielsweise die Hauptfigur Elja (Jana Klinge), eine gotische Heerführerin, als sie erfährt, dass Frauen bei den Römern nicht kämpfen dürfen. Jedoch besteht zwischen dem spätantiken Drama und der heutigen Flüchtlingsproblematik auch ein Unterschied: die geographische Nähe. Denn bei den fliehenden Goten handelt es sich um ein germanisches Nachbarvolk, das gezwungen ist, seine Heimat zu verlassen. Regisseur Willi Kubica kommentiert die historisch bedingte Spiegelung der aktuellen Situation so: „Flüchtling kann, unter entsprechenden Umständen, jeder werden.“

Update: Vor kurzem wurde "Elja 376 A.D." zusätzlich mit dem Europäischen Young CIVIS Media Prize 2018 ausgezeichnet.

Weitere Informationen zum Film und Trailer:

http://www.elja-derfilm.de/de/home/

Wer den Film erwerben möchte, kann die Producerinnen Julia Deumling und Theresa Bacza unter folgenden E-Mail-Adressen kontaktieren (der Preis liegt bei 9 € (DVD) + 3 € (Verpackung und Versand)):
julia.deumling@filmakademie.de
theresa.bacza@filmakademie.de

Zum Foto: Hauptdarstellerin Jana Klinge (Elja) am Set während der Dreharbeiten. 

Autorin: Kathrin Holstein   /   Fotos: Elja 376 A.D.   /   März 2018