Universität Mannheim / Forum / Campusleben / Ausgabe 1/2016 / Von der Uni in die Selbständigkeit

Von der Uni in die Selbständigkeit

Premiere feierte er auf dem Schlossfest, zu sehen war er in allen Lokalmedien, auf Reise ging er sogar bis nach China: Der Film MANNHEIMATNIGHT ist ein regionaler Hit. Hinter der filmischen Hommage an die Stadt steckt die Mannheimer Marketing-Agentur BLIM. Einer ihrer Gründer, Maximilian Hartmann, studierte Germanistik an der Universität Mannheim. Woher die Idee zum Film stammt und warum er sein Studium für die Agentur aufgab, darüber haben wir mit ihm gesprochen.


FORUM: Herr Hartmann, außerhalb der Marketingbranche sind Sie vor allem durch den Film MANNHEIMATNIGHT und Ihren Blog Mannheim.at bekannt geworden. Woher kam die Idee zu den beiden Projekten?

Die Idee zum Blog ist fast so alt wie die Agentur selbst. Zu meiner Studienzeit hatte ich bereits an der Eventseite Schneckenhof.de mitgearbeitet, habe dort die Redaktion betreut und viel mit Freizeitthemen zu tun gehabt. Ich wusste also, dass solche Themen sehr gut ankommen, gleichzeitig aber in den Medien meist zu kurz kommen. Außerdem hatte ich Lust, über etwas zu schreiben, das mir persönlich am Herzen liegt. Da war Mannheim natürlich die erste Wahl.

FORUM: Das Ganze war zunächst ja noch ein Hobby.

Genau, im Juni 2015 ging der Blog online, zunächst noch als persönliches Freizeitprojekt. Die Leserzahlen sind aber schnell in Sphären gestiegen, die ich mir nicht hätte vorstellen können. Auch deshalb wurde der Blog zum Agenturprojekt. Im Dezember 2014 hatten wir zudem im Capitol bereits eine kleine Fotoausstellung mit dem Titel MANNHEIMATNIGHT. Ich hatte zuerst vor, privat einen Film hinterherzuschieben. Ein Kollege meinte aber, wir sollten das Ganze professionell aufziehen. Den ganzen Sommer über haben wir schließlich gedreht und produziert. Viel Arbeit, die sich aber absolut gelohnt hat: Bei der Premiere auf dem Schlossfest 2015 war es rappelvoll, danach lief der Film in allen regionalen Medien. Der Oberbürgermeister nahm ihn sogar mit ins chinesische Qingdao. Dadurch haben Blog und Agentur natürlich noch mehr Aufmerksamkeit erfahren.

FORUM: Wie kam es überhaupt zur Agenturgründung?

Durch meine Arbeit bei Schneckenhof.de habe ich Ralph Dreibholz kennen gelernt, der damals hauptberuflich Betreiber der Seite war und heute einer unserer Gesellschafter bei BLIM ist. Wir haben also vorher schon zusammen an Online-Projekten gearbeitet. 2009 kam schließlich der Mannheimer Morgen mit einem Großprojekt auf uns zu, da ging es um den Aufbau einer Online-Freizeitseite für Jugendliche. Spätestens da wurden die Projekte zu groß, als dass wir sie nebenbei hätten stemmen können. Deswegen haben wir uns entschlossen, unsere Kompetenzen zu bündeln und mit zwei weiteren Gesellschaftern eine Agentur zu gründen.

FORUM: War das der Grund, warum Sie das Studium vorzeitig beendet haben?

Ja, obwohl mir Germanistik und Medien- und Kommunikationswissenschaften wirklich großen Spaß gemacht und auch die Leistungen gestimmt haben. Aber im Sommer 2009 ergab sich eben die Möglichkeit, die Agentur zu gründen. Ich hätte zwar nur noch ein bis zwei Semester gebraucht, aber in dem Fall hieß es „jetzt oder nie“.

FORUM: War das im Rückblick die richtige Entscheidung für Sie?

Ich würde es wieder so machen. Damals habe ich mir natürlich schon Gedanken gemacht. Die Branche ist sehr schnelllebig und wir wussten noch nicht, ob wir uns langfristig würden durchsetzen können. Aber es hätte ja auch im Notfall die Möglichkeit gegeben, nach einer Pause wieder an die Uni zurückzugehen und den Abschluss nachzuholen. Das war aber glücklicherweise nicht nötig.

FORUM: Heute gehören zu Ihren Kunden viele renommierte Unternehmen in der Region. Das war wahrscheinlich nicht immer so. Was waren die größten Herausforderungen für Sie als junger Gründer?

Wir hatten ja den Vorteil, dass wir alle während des Studiums bereits beruflich tätig waren und unseren ersten großen Kunden schon vor der Unternehmensgründung an Land gezogen hatten. Unser Geschäft hat sich daher vom ersten Tag an selbst finanziert und wir mussten nicht erst mühsam Investoren suchen. Eine Herausforderung war für mich allerdings die Rolle des Geschäftsführers. Mitarbeiter zu führen hatte ich ja nie gelernt und musste es mir erst nach und nach aneignen.

FORUM: Sind Sie froh über die Selbstständigkeit oder reizt Sie manchmal auch ein geregeltes Angestelltenverhältnis?

Ich bin sehr zufrieden damit. Ich war schon immer jemand, der lieber vorneweg marschiert und Entscheidungen trifft als Dienst nach Vorschrift zu machen. Ich brauche einfach diese unternehmerische Freiheit. Aber natürlich liegt auch ein wirtschaftlicher Druck auf mir. Wenn ich morgens in die Agentur komme, habe ich zehn Mitarbeiter hier sitzen, die wir am Ende des Monats bezahlen müssen. Diese Verantwortung muss man schon übernehmen wollen und können. Damit habe ich aber grundsätzlich kein Problem.

FORUM: Warum sind Sie den Freunden der Universität Mannheim beigetreten?

Ich habe gern an der Uni Mannheim studiert und dort natürlich auch sehr viel Zeit verbracht. Auch jetzt finde ich es noch wichtig, Kontakt zu halten. Obwohl ich mein Studium nicht abgeschlossen habe, fühle ich mich der Uni nicht weniger zugehörig. Außerdem bringt eine solche Verbindung für beide Seiten Chancen.

FORUM: Wo soll es für Ihre Agentur in Zukunft hingehen?

Ende letzten Jahres haben wir einige Restrukturierungen vorgenommen. Wir haben uns entschieden, uns von unserer Eventsparte zu trennen und rein digital zu werden. In der nächsten Zeit möchten wir diesen Weg der Spezialisierung fortsetzen und auf ein solides Fundament stellen. Zu Gründungszeiten waren wir ja noch recht breit aufgestellt, aber inzwischen haben wir mit Webseitenentwicklung, Videoproduktion und Online-Marketing ein gut durchdachtes Portfolio. Für den Blog wird es Ende Juni zudem ein komplettes Re-Design mit neuem Onlineshop geben. Wir produzieren jetzt schon Jutebeutel mit dem Schriftzug „Mannheimat“, die es dort unter anderem zu kaufen geben wird.

Zum Blog: http://mannheim.at
Zum Film: https://vimeo.com/148086951

Autorin: Linda Schädler   I   Foto: BLIM