Universität Mannheim / Forum / Campusleben / Ausgabe 1/2016 / Strom für Togo: Wenn Handyaufladen Leben rettet

Strom für Togo: Wenn Handyaufladen Leben rettet

Krankenstationen im westafrikanischen Togo mit Strom und Licht versorgen – das hat sich Enactus mit dem Projekt „Sunté“ zur Aufgabe gemacht. Seit 2014 hat die Studierendeninitiative an 15 Krankenstationen im Süden des Landes Solarstationen aufgebaut. Die 24-jährige Lehramtsstudentin und Projektleiterin, Judith Lippelt, berichtet von den Zielen, Erfolgen und der Zukunft des Projekts, mit dem die Mannheimer Initiative den National Cup aller deutschen Enactus-Teams gewonnen hat.


FORUM: Im Dunkeln Wunden verarzten, Menschen operieren und Kranke behandeln – in Deutschland wäre das unvorstellbar, in Togo ist es Realität. Wie sieht die medizinische Versorgung dort momentan aus und wie kann sie durch euer Projekt verbessert werden?

Lippelt: Nachts wird in den togolesischen Krankenstationen mit teuren und umweltschädlichen Kerosinlampen gearbeitet – das ist für die Patienten wie auch für die Ärzte sehr gefährlich. Mit dem Licht, das durch die Solarzellen bereitgestellt wird, machen wir Behandlungen sicherer. Ein weiteres Ziel unseres Projekts ist es, die Skepsis einiger Togolesen zu überwinden. Vor allem im ländlichen Raum sind Naturreligionen sehr verbreitet und das Vertrauen in die moderne Medizin ist nicht hoch. Um diesen Menschen einen Anreiz zu bieten, die Krankenstationen zu besuchen, haben wir dort zusätzlich Handyladestationen eingerichtet. Denn fast jeder Togolese hat ein Handy, aber keinen Strom, um es aufzuladen.


FORUM: Togo ist von Mannheim über 4.000 Kilometer entfernt. Wie organisiert ihr das Projekt vor Ort?

Lippelt: Wir arbeiten mit einer togolesischen Partnerorganisation zusammen, die auf Social-Business-Projekte spezialisiert ist. Mit ihr haben wir 2014 die erste Solaranlage in Atahonou installiert. Seither informiert sie uns regelmäßig über auftretende Probleme, für die wir dann Lösungen erarbeiten. Da wir nicht immer vor Ort sein können, ist der enge Kontakt mit dem Partner wichtig. Zweimal jährlich treffen wir uns deshalb hier in Deutschland. Außerdem waren wir im vergangenen August in Togo, führten Workshops zu verschiedenen Themen durch und sprachen mit den Belegschaften der Krankenstationen über Entwicklungsmöglichkeiten des Projektes. Ein weiterer Besuch ist für dieses Jahr geplant. Wir denken auch über eine Expansion von Sunté in weitere westafrikanische Länder nach, in denen die gleiche Problematik besteht wie in Togo.


FORUM: Was hat sich seit dem Bau eurer ersten Solaranlage vor zwei Jahren verändert?

Lippelt: Im Einzugsgebiet der bisher von uns elektrifizierten Krankenstationen leben über 70.000 Menschen, die von der verbesserten medizinischen Versorgung profitieren. Während der regelmäßigen Besuche an den Krankenstationen, um ihr Handy aufzuladen, können die Menschen sich informieren und Vorsorgeuntersuchungen durchführen lassen. Dadurch und durch die Möglichkeit nun auch nachts sichere Behandlungen durchführen zu können, haben sich die Patientenzahlen in den elektrifizierten Krankenstationen verdoppelt und weniger Leute sterben an normalerweise ungefährlichen Krankheiten wie Durchfall. Außerdem ist das medizinische Personal dank der neuen Stromquelle nun auch telefonisch zu erreichen und kann zu Hausbesuchen gerufen werden.

Zu den Bildern: Die Studentinnen von Enactus mit ihrem Team in Togo / Montage von Solaranlagen auf dem Dach einer Krankenstation



Interview: Louisa Gille   I   Fotos: Enactus   I   April 2016