Universität Mannheim / Forum / Campusleben / Ausgabe 1/2016 / Katapult in eine andere Welt

Katapult in eine andere Welt

Wie gut oder schlecht ein Kind in der Schule ist, hängt stark von seiner sozialen Herkunft ab. Vor allem die Bildung der Eltern spielt eine entscheidende Rolle. Um die Chancengleichheit zu verbessern, unterstützen 40 Studierende der Universität Mannheim für mindestens ein Jahr Mannheimer Grundschüler. Das Projekt ist eine Kooperation der Mannheimer Fakultät für Betriebswirtschaftslehre sowie der Initiative KinderHelden und geht nun in die zweite Runde. 

Bunte Luftballons steigen in den grauen Oktoberhimmel über dem Ehrenhof des Mannheimer Schlosses. Wunschkarten am Ende der Ballonschnüre flattern im Wind. Auf einer von ihnen steht: „Wir wollen immer zusammen Spaß haben und gemeinsam etwas lernen. Die KinderHelden sind super.“ Geschrieben wurde die Karte von dem 11-jährigen Ali und seinem Mentor Raphael Burkhardtsmayer während der Auftaktveranstaltung des Mentoring-Projekts „Uni-Cleverlinge²“. Raphael und Ali sind eins von 40 Tandems aus Studierenden der Universität Mannheim und Schülern der Mozartschule. Bereits im vergangenen Schuljahr waren sie ein Team. Die beiden verstanden sich so gut, dass sie auch über das vorgesehene Jahr hinaus miteinander Zeit verbringen wollten. Ali geht mittlerweile in die 5. Klasse einer Realschule. Der 27-jährige Raphael ist im letzten Semester des Mannheim Master in Management. Einmal pro Woche hilft Raphael Ali mit den Hausaufgaben und unternimmt etwas mit ihm. Zum Beispiel gehen sie ins Museum, lesen in der Stadtbibliothek, gehen schwimmen oder machen eine Radtour. Raphael ist für Ali jedoch mehr als ein Mentor, er ist sein Freund. „Wenn es schwierige Hausaufgaben gibt und ich mich an dem Tag mit Raphael treffe, habe ich Glück“, erzählt der 11-Jährige.

Nachhilfe und nette Nachmittage – bei den Uni-Cleverlingen² gehe es noch um viel mehr. „Die Kinder sollen stärker und cleverer werden. Clever nicht nur im Sinne von ‚kognitiv schlau‘, sondern, dass sie ihr Leben besser meistern können“, erklärt Linn Schöllhorn, Gründerin der Initiative KinderHelden. „Die Studierenden haben auf der anderen Seite die Möglichkeit, sich aktiv zu engagieren und Verantwortung zu übernehmen“, ergänzt Ingo Bayer, Geschäftsführer der BWLFakultät der Universität Mannheim. „Und beide Seiten des Tandems erhalten durch das Projekt Einblicke in das Leben des anderen. Die Kinder haben zum Beispiel die Gelegenheit, den Universitätsalltag kennenzulernen und zu sehen, welche Chancen ihnen offen stehen.“

Dieser Gedanke hat auch Raphael dazu bewegt, sich bei den Uni-Cleverlingen² zu engagieren. „Wenn ich mit Ali den Nachmittag verbringe, werde ich in eine andere Welt katapultiert. Außerdem ist die Zeit mit ihm eine super Abwechslung zur Uni. Danach fühle ich mich lockerer, einfach gut“, sagt der Student, der sehr stolz auf seinen jungen Freund ist: Bei der Auftaktveranstaltung mussten sie sich bei einer Rallye Schritt für Schritt durchs Schloss arbeiten und auch ab und an nach dem Weg fragen. Ali habe nicht gezögert, auf die Leute zuzugehen. „Ich hatte den Eindruck, er ist mutiger geworden. Ich fand es toll, dass er das so locker gemacht hat“, erzählt Raphael. Zusammen Spaß haben und voneinander lernen – Raphaels und Alis Wunsch, der mit 40 anderen Kärtchen in die Luft gestiegen ist, scheint in Erfüllung gegangen zu sein. 

Zum Bild: Ein tolles Team: BWL-Student Raphael und der 11-jährige Ali



Autorin: Sina Buschhold   I   April 2016