Universität Mannheim / Forum / Campusleben / Ausgabe 1/2016 / Frau nicht gleich Mann

Frau nicht gleich Mann

Die Studienstiftung des deutschen Volkes hat das gemeinnützige Projekt „Bildungschancen für Frauen in Indien e. V.“ des Mannheimer Doktoranden Dominic Ponattu mit dem Engagementpreis 2016 ausgezeichnet. Sein Verein vergibt Stipendien für die Ausbildung junger indischer Frauen aus sozial schwachen Familien.


Jijimegala hatte es nicht leicht: Sie wuchs als Vollwaise bei ihren Großeltern in dem entlegenen südindischen Bundesstaat Tamil Nadu auf. Ärmliche Verhältnisse, eine pflegebedürftige Großmutter und die Tatsache, dass Jijimegala die jüngste Tochter der Familie ist, erschwerten es der jungen Frau, ihren eigenen Weg zu gehen. Dazu kommt, dass in Indien die Bevorzugung der älteren und vor allem der männlichen Kinder der Familie üblich ist. Trotz dieser schlechten Startbedingungen absolvierte Jijimegala ihr Abitur mit Bravour und begann mit ihrem Bachelorstudium in „Nursing“, das sie nach dem ersten Jahr jedoch nicht mehr finanzieren konnte. Dank eines Stipendiums von „Bildungschancen für Frauen in Indien e. V.“ kann Jijimegala weiterstudieren.

Der Verein wurde Anfang Dezember 2014 unter anderen von dem Mannheimer Doktoranden Dominic Ponattu gegründet. Der Anstoß für das Projekt waren die gehäuften Medienberichte über Gewalt gegenüber indischen Frauen in den vergangenen Jahren. „Wir wollen Hilfe zur Selbsthilfe geben“, erklärt der Doktorand, dessen Eltern selbst aus Indien stammen. „Wichtig ist uns, den Frauen bessere Bildungschancen zu ermöglichen. Nur so kann ihre Situation langfristig verbessert werden.“ Momentan unterstützt der Verein 35 junge indische Frauen. Alle sind angehende Krankenpflegerinnen in entlegenen Gebieten Südindiens. Die vergebenen Vollstipendien decken die Ausbildungs- und Unterbringungskosten ab, die die Frauen selbst nicht tragen könnten. „Mit der Förderung wollen wir nicht nur den benachteiligten Frauen eine Zukunftsperspektive geben, sie sollen selbst zu Multiplikatoren für andere junge Frauen werden“, sagt Ponattu. Das Projekt wirkt somit auf individueller und gesellschaftlicher Ebene.

Unter anderem deshalb wurde Ponattu mit dem Engagementpreis 2016 der Studienstiftung ausgezeichnet. Mit dem Preisgeld von 5.000 Euro will er die Studienförderung der jungen Frauen durch eine ideelle Förderung ergänzen. Mit Seminaren zu den Themen Frauenrechte, Karrieremöglichkeiten und Eigenständigkeit möchte der Verein die Frauen in ihrer persönlichen Entwicklung unterstützen. „Die Auszeichnung ist für uns nicht nur ein Zeichen, dass wir mit unserem Projekt auf dem richtigen Weg sind, es ist auch eine Anerkennung für die Frauen und ihre Leistung“, sagt Ponattu. Neben dem Verein „Bildungschancen für Frauen in Indien e. V.“ wurden zwei weitere Mannheimer Projekte unter die sechs Finalisten um den Preis gewählt, die beide von der Studierendeninitiative Enactus ins Leben gerufen wurden. Ziel des Projekts Sanagua ist die Trinkwasserversorgung ländlicher Gebiete Argentiniens. Hierzu wurden solarbetriebene Wasseraufbereitungsanlagen entwickelt, die in Dörfern von einheimischen Mechanikern betrieben werden. Das Team von Sunté hat hingegen ein Konzept zur besseren Stromversorgung sowie medizinischen Versorgung in Togo entwickelt und dies 2014 mit einem lokalen Partner erfolgreich umgesetzt. Mehr Informationen hierzu finden Sie im Interview mit Projektleiterin Judith Lippelt.  

Zum Bild: Dominic Ponattu erhält den Engagementpreis 2016


Autorin: Sina Buschhold   I   Foto: Kirstin Niedernolte   I   April 2016